Barrick Gold: Im Worse Case Verlust der Umweltlizenz für Pascua Lama?

Die Börse scheint bereits mit dem Schlimmsten zu rechnen: Pascua Lama auf dem Weg zu einem Milliardengrab. Doch ist die aktuelle Panik wirklich gerechtfertigt?

Wie relativ verlässliche Quellen zuletzt berichten, droht Barrick Gold (WKN 870450) im Worse Case sogar der Verlust der elementaren Umweltlizenz für den bedeutenden Pascua Lama Projektteil in Chile. Zunehmende Proteste, Demonstrationen und Anschuldigungen von lokalen Bevölkerungsgruppen und Umweltaktivisten haben dazu geführt, dass das chilenische Gericht einen generellen Stop der Arbeiten auf dem Projekt verhängt hat – die Angst vor neuen Eskalationen flammte auf.

Bis dahin hat Barrick rund 4 Mrd. USD in das wichtige Wachstumsprojekt investiert. Die Gesamtkosten betragen nach den letzten offiziellen Daten gewaltige 8,5 Mrd. USD, wobei die ursprünglichen Kosten bis zur Produktionsaufnahme einst bei ca. 3 Mrd. USD lagen. Etliche Experten sprechen bereits von weiteren erheblichen Verzögerungen in der Projektentwicklung und prognostizieren einen Anstieg der Investitionskosten auf über 10 Mrd. USD. Pascua Lama würde eines der teuersten Rohstoffprojekte der Welt werden.

Die Kritiker, Aktivisten und Locals werfen Barrick abermals vor, gegen die Umweltgesetze- und Vereinbarungen verstoßen zu haben und dass die Folgen der Konstruktion und der späteren Produktionsaufnahme für die Ökologie belegbar verheerend seien – alte Debatten und ungelöste Spannungen kommen wieder auf. Der Ball liegt nun klar bei Barrick, wie lokale Quellen bestätigen. Im Hinblick auf die angespannte, politische Situation in Chile (Wahljahr) könnte Barrick in dieser misslichen Lage nun sogar auch noch an relevantem, nationalem Support weiter verlieren. Ohne die Unterstützung auf politischer Ebene wächst die Möglichkeit für einen nach Zeit und Ausgang ungewissen Rechtsstreit.

Die Situation vor Ort hatte sich in den letzten Tagen erneut enorm verschärft. Letzte Woche wurde die Konstruktion der Megamine nach südamerikanischen Quellen sogar auf beiden Projektteilen (Chile & Argentinien) angehalten. Während rund 80% der Reserven unter dem chilenischen Boden liegen, werden auf argentinischen Untergrund Großteile der notwendigen, massiven Infrastrukturanbindungen errichtet.

Die Situation mit den Locals und Aktivisten scheint auf argentinischem Boden erheblich besser zu sein, jedoch trübt auch hier der Schein. “Lediglich” der politische Support ist erheblich größer. Sehr viele Vorfälle und Probleme wurden auch hier bewusst unter den Tisch gekehrt, was bei Pascua Lama schon quasi Tradition ist. Auch hier gibt es zahlreiche, ungelösten Probleme/Brennpunkte vor Ort auf etlichen Ebenen (Umwelt, Logistik, Arbeiterschaft, Rechtssicherheit etc.).

Barrick gab nach Börsenschluss gestern außerdem bekannt, dass das Unternehmen zwei neue, namhafte Branchenexperten für Pascua Lama engagiert und das Schicksalsprojekt global 1. Priorität im Projektportfolio hat.

An der Börse scheinen die Marktteilnehmer nun wohl bereits vom Worst Case bei Pascua Lama auszugehen. Weiterhin eine eklatante Schwäche beim Aktienkurs von Barrick – enormer, zusätzliche Druck kam natürlich auch durch den Major Sell-Off im Goldpreis, doch auch am Dienstag blieb eine positive Reaktion/Pullback aus. Die relative Schwäche beim einstigen Branchenprimus & nach Marktkapitalisierung größten Goldproduzenten Barrick ist im Hinblick auf die Peer-Group-Werte besonders beachtlich. Das Verkaufsvolumen in den letzten Tagen war gewaltig und der freie Fall ist nicht gestoppt. Der Kurs ist massiv überverkauft, was bis dato jedoch nur die technischen Daten bestätigen wollen.

Mit Spannung werden u.a. die kommenden Short-Quotes und Reports über die Ownership-Changes erwartet. Bei aller Angst und Panik um Pascua Lama, Barrick’s Balance und Assets sind noch stark genug, um das Worst Case Szenario bei diesem Projekt zu verkraften (rationale Betrachtungsweise nach den letzten, offiziellen Daten u. Fundamentals). So wandert die Firmenbewertung im Hinblick auf die Financial Results & Assetwerte langsam aber sicher auf ein krasses Niveau..

Bildquellen: fotolia, istockphoto
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Oliver Groß
Oliver Groß ist seit vielen Jahren im Rohstoffsektor aktiv. Er ist Mitgründer und Initiator eines exklusiven Börsenforums, das sich auf Rohstoffe und Rohstoffaktien spezialisiert hat. Oliver Groß legt bei Rohstoffaktien und Rohstofftrends großen Wert auf ausführliche Fundamentalanalysen und tiefgehenden Research. Während der letzten Jahre konnte Herr Groß sein globales Kontaktnetzwerk im Rohstoffsektor weiter ausbauen. Er pflegt intensive Kontakte zu zahlreichen Unternehmenschefs, Geologen und Rohstoffspezialisten. Oliver Groß schreibt über aktuelle Geschehnisse an den Rohstoffmärkten und macht auf spannende Rohstoffstories aufmerksam.

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