Barrick: Konstruktionsstop und neue Probleme mit Pascua Lama ziehen den Konzern in die Tiefe

Die Arbeiten auf dem wichtigsten Entwicklunsprojekt des weltgrößten Goldproduzenten kommen erneut zum Erliegen.

Aufgrund weiterer Verschärfungen bei der Entwicklung des wichtigsten Wachstumsprojekts steht der weltgrößte Goldproduzent massiv unter Druck. Der Aktienkurs befindet sich im freien Fall. Seit Anfang April hat der Goldminer mehr als 20% an Wert verloren. Es scheint nun nur noch eine Frage der Zeit, wann Barrick Gold (WKN 870450) die CAPEX für das gigantische Gold- & Silber-Projekt in Chile/Argentinien erneut anhebt. Doch nicht nur die Kosten sind komplett aus dem Ruder gelaufen. Der Zeitplan wurde ebenfalls etliche Male verworfen, was das Vertrauen in das Management und die Planungssicherheit stark belastet(e).

Dazu kommen die zahlreichen und teilweise weiterhin ungelösten Probleme vor Ort auf etlichen Ebenen (Umwelt, Arbeiterschaft, Rechtssicherheit, Logistik, Wasser etc.) und die Zunahme von Spannungen auf lokaler, regionaler und insbesondere nationaler Ebene.

Weiter scheint es überhaupt nicht sicher, dass Barrick planmäßig die Produktion auf Pascua Lama aufnehmen kann. Selbst wenn das passieren sollte, stellt sich entscheidende Frage, welchen Preis der Konzern final dafür zahlt. Das mögliche Milliardengrab würde das Unternehmen schließlich extrem hart treffen. Darüber hinaus gerät das Unternehmen durch abgeschlossene Streaming-Deals mit Silver Wheaton (WKN A0DPA9) in Bedrängnis. Nicht nur die Zeit läuft radikal gegen den Goldriesen.

Der wichtigste Teil des kolossalen Pascua Lama Vorkommens ist bekanntlich in Argentinien lokalisiert. Nachdem in Chile die Arbeiten aufgrund gerichtlicher Entscheidungen Mitte letzter Woche eingestellt wurden, kommt es nun auch auf der argentinischen Seite zum Stillstand.

Die erneuten, negativen Auswirkungen auf den Fahrplan und die Projektkosten sind das eine. Barrick Gold verliert bei jedem Konstruktionshalt Tag für Tag Millionen USD. Noch viel gravierender als das Kapital und die Zeit, ist jedoch – wie oft über die letzten 12+ Monate angesprochen – der weitere Verlust auf der Vertrauens- und Managementebene, sowie die Schäden für das Image und die Reputation, die bei solch einer Großoperation gewaltig sind.

Das Vertrauen in das Head Management des Goldriesen ist aufgrund einer langen Serie von Misserfolgen, Fehleinschätzungen, Überschätzungen und unkontrollierter Gier (vgl. Übernahmenhistorie etc.) – trotz etlicher Feuerungen von Executives – weiterhin sehr angeschlagen und steht erneut unter großem Druck. Außerdem bietet Barrick mit den kontinuierlich überzogenen Bezahlungen für Verantwortliche erneut selbstverschuldete Angriffsfläche, was sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahre zieht. Das Unternehmen ist sowohl operativ, als auch hinsichtlich der Reputation und des Auftretens als Branchenvorbild gewaltig vom Kurs abgekommen. Die Schadensbegrenzungen und der anvisierte, tiefgreifende Strategiewechsel kommen bis dato nur langsam voran.

Spätestens seit letzter Woche wird das Pascua Lama Projekt, welches zunehmend als Milliardengrab verschrien wird, als Ganzes nun wieder stark in Frage gestellt. Barrick braucht Pascua Lama aber um jeden Preis, um die operativen Ziele der nächsten Jahre erfüllen zu können. Der Miner scheint im Hinblick auf die Investitionen und Ambitionen ebenfalls den ‘Point of no return’ überschritten zu haben. Ohne das Major Projekt, das bereits zum X. Male verschoben wurde, sind die operativen Fahrpläne des nur noch Output größten Goldproduzenten der Welt, reine Makulatur..

Bei Pascua Lama kamen in den letzten Jahren quasi der Großteil der Probleme/Herausforderungen, die in der Entwicklung eines Goldprojekts auftreten können, zusammen – und sorgten für kontinuierlichen Zündstoff vor Ort. Die Megaoperation ist zu einem bedrohlichen Problemfall für Barrick geworden, und der Ausgang wird Auswirkungen auf die gesamte Branche haben. Das Projekt ist de facto sogar zum Spielball von drei Rohstoffnationen geworden (Argentinien, Chile, Kanada). Deswegen werden jegliche Entwicklungen rund um den Globus auch aufmerksam verfolgt. Es bleibt sehr spannend..

Bildquellen: fotolia, istockphoto
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Oliver Groß
Oliver Groß ist seit vielen Jahren im Rohstoffsektor aktiv. Er ist Mitgründer und Initiator eines exklusiven Börsenforums, das sich auf Rohstoffe und Rohstoffaktien spezialisiert hat. Oliver Groß legt bei Rohstoffaktien und Rohstofftrends großen Wert auf ausführliche Fundamentalanalysen und tiefgehenden Research. Während der letzten Jahre konnte Herr Groß sein globales Kontaktnetzwerk im Rohstoffsektor weiter ausbauen. Er pflegt intensive Kontakte zu zahlreichen Unternehmenschefs, Geologen und Rohstoffspezialisten. Oliver Groß schreibt über aktuelle Geschehnisse an den Rohstoffmärkten und macht auf spannende Rohstoffstories aufmerksam.

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