Barrick und Goldcorp: Ungleiche Bilanzlage, weitere Projekt-Verkäufe geplant

Die weltgrößten Goldproduzenten wollen sich von weiteren, preissensiblen Gold-Projekten und non-core Assets trennen, um die Bilanzen zu stärken.

Goldcorp und Barrick, nach Marktkapitalisierung die Nummer 1 und 2 der Goldminen-Branche, peilen weitere Projektverkäufe an.

Nach dem signifikanten Goldpreiseinbruch in 2013, der die Baisse bei den Goldproduzenten nochmal stark verschärfte, ist die finanzielle und bilanzielle Lage bei den Majors natürlich angespannt.

Daher wandern auch weiterhin Projektverkäufe in den Vordergrund. Denn dadurch können die involvierten Gesellschaften in relativ schneller Zeit bedeutende Mengen an Cash generieren. Im Fokus stehen dabei non-core Assets und schwierige Gold-Projekte.

Schwierige Projekte sind gegenwärtig vor allem high-cost Goldminen, welche aufgrund ihrer Preissensibilität bei einem schwachen Goldpreis logischerweise etliche Herausforderungen mit sich bringen.

Nach neuen Berichten stellen Barrick und Goldcorp nun einer ihrer Goldminen in Nevada zum Verkauf: Marigold, die sie in einem Joint-Venture betreiben.

Erst 2012 wurde die historische Mühlen-Operation auf Marigold in eine moderne Groß-Mine ausgebaut. Wegen geringer Goldgehalte (< 0,6 gpt Au) und einer niedrigen Recovery (< 75%) ist Marigold besonders preissensibel. Und genau das sieht man bei den wichtigen All-in Sustaining Kosten, welche im Branchen-Vergleich relativ hoch notieren.

So liegt es auf der Hand, dass sich Barrick, Goldcorp und Co. gerade von dieser Art von Projekten gegenwärtig trennen wollen, um die finanzielle Lage zu verbessern.

Nach Unternehmens-Insidern stehen einige, weitere high-cost Goldminen bei den Gold Majors intern bereits auf der Verkaufsliste und es wird im Hintergrund mit potentiellen Interessenten verhandelt.

Barrick hat sich in 2013 außerdem erfolgreich vom Großteil seines Australien-Geschäfts getrennt und einen Deal mit dem afrikanischen Mitbewerber Goldfields erzielen können.

Doch das schwierige Afrika-Geschäft lastet bspw. weiter auf dem Goldriesen. Nachdem ein anvisierter Deal mit den Chinesen floppte, sucht Barrick nach Branchen-Insidern weiterhin nach einem interessierten Käufer für die problembehafteten high-cost Assets auf dem schwarzen Kontinent.

Nach jüngsten Insider-Berichten verhandelt Barrick im Hintergrund sogar einen potentiellen Verkauf des größten Problem-Projekts im Konzern: Pascua Lama.

Zwischen den Gold Majors gibt es im Hinblick auf die Projekt-Verkäufe meines Erachtens aber einen bedeutenden Unterschied. Bei Barrick sollen die Verkäufe primär die schwerwiegende Schuldenlage verbessern und die Bilanz im Kern stärken. Bei Goldcorp hingegen sollen die Verkäufe zumindest mittelfristig die Kriegskasse wieder auffüllen.

Goldcorp steht finanziell wie bilanziell nämlich wesentlich besser als Barrick da. Das liegt insbesondere am smarteren Management und der weitgehenden Vermeidung von Kapital-Fehlern wie bspw. massiv überteuerte Übernahmen, die sich als großes Fiasko entpuppten.

Die unterstreicht prägnant auch die unterschiedliche Schuldenlage der beiden Branchen-Führer. Während Barrick auf einem wahren Schuldenberg von massiven 15 Mrd. USD sitzt, kommt Goldcorp auf gerade einmal knapp 1,5 Mrd. USD

So visiert Goldcorp bei einer Stabilisierung in der Goldminen-Branche wohl eher eine Fortsetzung der expansiven Geschäftspolitik an – und das bedeutet weitere Übernahmen. Dies wird sich Goldcorp in jedem Fall schneller und besser leisten können, als Barrick gegenwärtig.

Doch auch Goldcorp hat im Hinblick die anspruchsvolle Umsetzung von bedeutenden Wachstums-Projekte noch viele Herausforderungen in den nächsten Jahren zu meistern.

Bildquellen: fotolia, istockphoto
Bitte beachten Sie unsere Nutzungshinweise

Oliver Groß
Oliver Groß ist seit vielen Jahren im Rohstoffsektor aktiv. Er ist Mitgründer und Initiator eines exklusiven Börsenforums, das sich auf Rohstoffe und Rohstoffaktien spezialisiert hat. Oliver Groß legt bei Rohstoffaktien und Rohstofftrends großen Wert auf ausführliche Fundamentalanalysen und tiefgehenden Research. Während der letzten Jahre konnte Herr Groß sein globales Kontaktnetzwerk im Rohstoffsektor weiter ausbauen. Er pflegt intensive Kontakte zu zahlreichen Unternehmenschefs, Geologen und Rohstoffspezialisten. Oliver Groß schreibt über aktuelle Geschehnisse an den Rohstoffmärkten und macht auf spannende Rohstoffstories aufmerksam.

Advertisement