Junior-Miner: Zu viel Pessimismus im Markt? – Teil 2

Kevin Campbell, einer der Managing Directors bei Haywood Securities und ausgewiesener Rohstoffexperte, möchte nicht in die vielen Molltöne einstimmen, die derzeit in der Bergwerksbranche zu hören sind.

Zwar sieht auch Campbell eine Rezession, die vor allem die kleinen Unternehmen betrifft, dies allerdings sei zyklischer Natur. Damit stellt sich Campbell gegen andere Experten, die die Branche aus strukturellen Gründen in Gefahr sehen.

Das Gerede von einer Existenzkrise sei übertrieben, glaubt Campbell, und hat gute Gründe für seine Einschätzung. Zum einen geht der Experte von einer notwendigen Marktbereinigung nach einer langen guten Phase der Branche aus. Die Bereinigung wird einige Unternehmen vom Markt spülen, womit sich die vorhandenen, begrenzten Ressourcen auf weniger Marktteilnehmer aufteilen werden. Das bringt ein einfacheres Umfeld für die Gesellschaften mit, die die Krise überstehen. Eine solche Bereinigung könnte den Kostendruck mildern und zugleich den Zugang zu Finanzmitteln und Investoren wieder erleichtern.

Doch es sind nicht nur diese Verbesserungen des Umfeldes, die Campbell langfristig optimistisch bleiben lassen. Er setzt auf eine weiter steigende Nachfrage nach Rohstoffen und nennt hier wichtige Megatrends wie die immer stärker werdende Urbanisierung. Längst haben große Teile der Industrie sich darauf eingestellt. Siemens zum Beispiel hat einen komplett neuen Geschäftsbereich hierfür aus dem Boden gestampft und den Konzern erheblich umgebaut.

Die Treiber der Entwicklung sind vor allem die dynamisch wachsenden asiatischen Volkswirtschaften. Bis 2050 werden allein in China, Indien und Nigeria zusammen mehr als eine Milliarde Menschen neu „urbanisiert“ sein, glaubt Campbell. Das Wachstum der Städte und Metropolen verschlingt Unmengen an Rohstoffen, zum Beispiel für den Bau von Gebäuden, Kommunikations- und Versorgungsinfrastrukturen oder den Verkehr, sei es auf öffentlicher Basis oder im Bereich des Individualverkehrs.

Hinzu kommt für Campbell das Wachstum der Weltbevölkerung, in einigen Jahren sollen mehr als 8 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Das steigende Einkommen in Ländern wie China sorgt zudem für steigende Konsumbedürfnisse in der Bevölkerung – auch das lässt sich in einer steigenden Nachfrage nach Rohstoffen messen. Für Edelmetalle sieht Campbell langfristig ebenfalls ein gutes Umfeld, da sich unter anderem beim Problem der weltweiten Verschuldung von Staaten weiter keine Trendwende abzeichnet. Auch die Notenbanken werden wie bisher zu einem guten Umfeld für Gold & Co. beitragen, glaubt der Rohstoffexperte.

Die Zahlen und die sich abzeichnende Entwicklung zeigen, dass ein Abgesang auf die Rohstoffbranche verfrüht ist. Dass eine Krise existiert, wird niemand ernsthaft bestreiten. Behält Campbell mit seiner Theorie einer typischen, wenngleich extremen zyklischen Schwankung recht, wären dies für antizyklisch orientierte Investoren interessante Tage. Das dürfte vor allem für Bereiche gelten, die von der Urbanisierung profitieren. Mehr dazu in einem Miningscout-Beitrag am Mittwoch.

lesen Sie hierzu auch:

Junior-Miner: Zu viel Pessimismus im Markt? – Teil 1

Bildquellen: fotolia, istockphoto
Bitte beachten Sie unsere Nutzungshinweise

Stefan Bender
Stefan Bender beschäftigt sich seit 1999 mit der Börse und dem Trading und ist seit April 2005 Mitglied der Community von wallstreet:online. Täglich beobachtet er Minengesellschaften, Explorer und angehende Produzenten. Seit 2011 ist er als Chefredakteur für Miningscout aktiv. Der Börseninformationsdienst Miningscout hat sich auf Berichte aus dem Rohstoffsektor spezialisiert. Unter www.miningscout.de werden fundierte Informationen zu Rohstoffen, Minenunternehmen und Branchentrends bereitgestellt. Als Informationsportal für internationale Minengesellschaften bietet Miningscout zudem eine professionelle Plattform, um Rohstoffunternehmen mit allen wichtigen Investitionsaspekten zu präsentieren.

Advertisement