Kanadische Regulatoren und die wahnsinnige Verwässerungsmanie

Die dramatische Kapitallage im Juniorsektor und der anhaltende Finanzierungsdruck bei den Juniorgesellschaften kurbelt die schädliche Verwässerung weiter an.

Wie schon einige Male in den letzten Monaten angesprochen, greift die Verwässerungsmanie im Juniorsektor weiter verstärkt um sich. Es geht bei sehr vielen Gesellschaften schließlich nur noch ums Überleben bzw. Zeitgewinnen. So ist jedes Mittel recht, zumindest um die Gehälter der Verantwortlichen und die G&A Kosten zu decken.

Die kanadischen Regulatoren der Juniorbörse lassen sich hierbei mehr und mehr auf ein gefährliches und de facto wahnsinniges Spiel ein. Juniorunternehmen werden zunehmend nun auch Finanzierungen auf einem lächerlich niedrigen Kursniveau von 0.01-0.05 CAD erlaubt. Die Auswirkungen auf die Verwässerung nehmen extreme Formen an, die Dilution ist in vielen Bereichen bereits komplett außer Kontrolle. Wie jeder Investor weiß, ist insbesondere im Juniorbusiness die Verwässerung mit der Hauptgrund für die Schwächung jedes Shareholder Values und sollte stets mit größter Sensibilität behandelt werden. Die mittel- und langfristigen Schäden werden in vielen Fällen nie wieder geheilt werden können.

Die Regulatoren verweisen in ihren letzten Entscheidungen auf die äußerst schwierige Finanzierungssituation beim Großteil der Juniors, welche durch “vereinfachte” Richtlinien ggfs. leichter und schneller an die benötigten Kapitalsummen kommen. So stehen die Aufseher wie die Broker- und Finanzhäuser ebenfalls mit dem Rücken an der Wand und versuchen mit jedem Mittel entgegen zu steuern. Die Finanzierungen, Umsätze und Aktivitäten in der Juniorbranche sind schließlich gnadenlos eingebrochen, das Vertrauen befindet sich wie der Venture im freien Fall und das gesamte Business in der kanadischen Junior- & Rohstoffbranche erleidet Schäden.

Bei der Anwendung der neuen Richtlinien – Gesellschaften führen PPs zu Kursen von 0.05-0.01 CAD durch – wird sich die Lage im Juniorbusiness wenn überhaupt nur temporär entspannen. Der unausweichliche, langfristige Cleaning Process im Juniorsektor wird durch genau diese Verwässerungseskalationen eher weiter angefeuert, als dass er abreißt. Vertrauen wird hier nachhaltig ebenfalls nicht zurück gewonnen – im Gegenteil. Und wieder schließt sich der Kreis im Hinblick auf das ‘Survival of the fittest/finest’.

Review:

Der Großteil der Juniorgesellschaften an der TSX-V hatte im 4. Quartal 2012 nur noch weniger als 300.000 USD in den Kassen. Seitdem hat sich die Lage nur teilweise entspannt, als die sekundären Finanzierungen anzogen. Primär kamen aber nur die besten Gesellschaften an signifikante Kapitalsummen zu relativ guten Finanzierungskonditionen.

Der Finanzierungsdruck war, ist und bleibt enorm. Etliche Juniors versuchten die letzten Wochen und Monate kleine Finanzierungen am Markt einzuholen, um “die operativen Tätigkeiten” am Leben zu erhalten, wie es die Firmen gerne verlauten lassen. Das ist jedoch nur eine hübsche Umschreibung. Dasselbe gilt in dieser Hinsicht für den ebenfalls mit Vorliebe verwendeten term ‘Oversubscribed Financing’. Bei Finanzierungssummen unter 1000k USD ist diese Aussage einfach ungenügend. Falls wirklich eine signifikante Überzeichnung stattgefunden hätte, würde die Firma doch versuchen, daraus Kapital zu schlagen (Verwässerungsbegrenzungen ziehen hier nicht). Zumindest wäre das immer der Fall, wenn die ‘operativen Tätigkeiten’ im Fokus stehen würden, und eben nicht die Sicherstellung der Gehälter für die Verantwortlichen.

Die gewöhnlichen G&A Kosten betragen im Schnitt (mindestens) rund 200.000-500.000 USD p.a., abhängig von der Größe des Unternehmens, der Anzahl und Qualifikation der Beschäftigten, den Aktivitäten und Programmen, sowie dem Kostenmanagement. Demnach ist anzunehmen, dass in den wenigsten Fällen Geld für bedeutende Explorationsprogramme (die wirklich für operative Fortschritte sorgen) übrig bleibt, wenn Gesellschaften gerade Finanzierungen unter 500k USD (eher 1 Mio USD) auf Biegen und Brechen durchboxen. So betragen bsp. die gesamten Kosten für ein 5.000m Diamant-Bohrprogramm (Drilling, transport, laboratory results etc.) im globalen Schnitt mindestens 1 Mio. USD bzw. ca. 200 USD/Bohrmeter. Für ein RC-Bohrprogramm fallen mindestens rund 120 USD/Bohrmeter an. Und das sind rein die Explorationsaufwendungen exkl. jeglichen Personalkosten. Die gesamten Explorationskosten wurden von der harten Kosteninflation in den letzten Jahren nicht verschont. So dürften die angesprochenen Richtwerte tendenziell weiter gestiegen sein.

Bildquellen: fotolia, istockphoto
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Oliver Groß
Oliver Groß ist seit vielen Jahren im Rohstoffsektor aktiv. Er ist Mitgründer und Initiator eines exklusiven Börsenforums, das sich auf Rohstoffe und Rohstoffaktien spezialisiert hat. Oliver Groß legt bei Rohstoffaktien und Rohstofftrends großen Wert auf ausführliche Fundamentalanalysen und tiefgehenden Research. Während der letzten Jahre konnte Herr Groß sein globales Kontaktnetzwerk im Rohstoffsektor weiter ausbauen. Er pflegt intensive Kontakte zu zahlreichen Unternehmenschefs, Geologen und Rohstoffspezialisten. Oliver Groß schreibt über aktuelle Geschehnisse an den Rohstoffmärkten und macht auf spannende Rohstoffstories aufmerksam.

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