Kanadischer Junior-Sektor der Minen-Branche im Überlebenskampf und Koma-Modus

Die Lage am wichtigsten Markt für Junior-Aktien in der Rohstoff- und Minen-Branche hellt sich auch im letzten Quartal 2013 nicht signifikant auf – im Gegenteil: Die historische und blutige Talfahrt geht weiter.

Nun scheint es zunehmend ein Fakt zu werden. Die Krise im Junior-Segment der Rohstoff-Branche erreicht immer mehr das Level vom Herbst 2008 oder das Niveau nach dem berühmten Bre-X Skandal, der die Junioraktien-Welt in die größte Krisen-Phasen aller Zeiten schickte.

Der große Unterschied in 2008: Damals war es eine relativ kurze Schockstarre, heute ist es mehr eine langwierige Resignation und ein kontinuierlicher Niedergang ist ersichtlich. Fast getreu dem Motto: “Die hard.”

Die vermeintlich gute Nachricht: Im Gesamtbild sind die Kurse der Junior-Aktien am Beispiel vom TSX-Venture Index, der für viele Marktteilnehmer als Benchmark der Junior-Branche gilt, während der letzten Monate nicht weiter gefallen.

Doch der Schein trügt. Denn der relevante Anteil der Junior-Gesellschaften, welche im Rohstoff- und Minen-Sektor aktiv ist, nimmt hinsichtlich der Marktkapitalisierung – und damit bezüglich der Bedeutung – im gesamten Index‘ auch im 4. Quartal 2013 weiter ab. Denn Junior-Aktien in anderen Börsen-Segmenten wie z.B. der Hightech oder Biotech-Industrie waren in 2013 nicht in einem historischen Bärenmarkt wie die Minen.

Das heißt, wie Investoren in der Junior-Branchen insbesondere im Edelmetall-Segment derweil gewiss belegen können: Die meisten Junior-Mining-Aktien sind weiter gefallen und es ist bis dato kein Boden in Sicht.

Hierbei spielt vor allem die schwere, anhaltende Baisse im Goldminen-Bereich eine zentrale Rolle. Denn rund 7 von 10 Rohstoff-Junior-Gesellschaften sind im Gold-Segment aktiv.

Sehen Sie folgend die Entwicklung des TSX-Venture Index über die letzte Dekade, welche den gravierenden Niedergang der Junior-Branche in Kanada ersichtlich macht. Der Venture-Index notiert auf den Levels vom Anfang des Jahrtausends.

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Quelle: bigcharts.com

 

Solange das entscheidende Vertrauen und die Phantasie nicht zurück kommt, wird der Großteil des Junior-Markts weiter ein sehr schwieriges Territorium bleiben. Denn ohne die entscheidende Phantasie und das existenzielle Risiko-Kapital geht in einem Börsen-Segment, dass zum Großteil keine Umsätze, Cashflow und Gewinne generiert bekanntlich wenig.

Daneben steigt die Abhänigkeit zu den Großen der Branche weiter an. Wenn es den führenden Produzenten nicht gut geht, dann kann es den kleinen Junior-Gesellschaften schließlich nie wirklich gut gehen – das muss jedem Marktteilnehmer hier klar sein. Und die Großen durchfahren – vor allem im Goldminen-Sektor – bekanntlich eine der schwersten Baisse-Phasen aller Zeiten. Vielleicht sogar die schwerste.

Stand heute wird 2013 als das schlechteste Aktienjahr für Goldminen-Aktien in die Geschichtsbücher eingehen – viel schlechter als 2008, da im großen Finanzkrisen-Jahr zum Ende ein enormer Turn-Around folgte.

Vieles hängt wie gesagt von der Entwicklung im Goldminen-Bereich ab. Und diese fielen Anfang der Woche auf neue 5-Jahrestiefstände, siehe hierzu Beispielsweise die Benchmarks HUI, GDX, GDXJ und GLDX.

Daneben scheint der notwendige ‘Cleaning Process’ kontinuierlich weiter an Fahrt zu gewinnen. Auch wenn sich viele Unternehmen mit Mini-Finanzierungen noch am “(über)Leben” halten, der Großteil der Gesellschaften hat nur noch so viel Kapital zur Verfügung um die G&A-Aufwendungen zu decken.

So entfaltet sich die Abwärtsspirale weiter. Denn ohne reale operative Fortschritte kann ein Unternehmen auch keinen neuen Shareholder Value generieren.

Da in vielen Bereichen operative Fortschritte und gute News auch kaum bis überhaupt nicht vom Markt honoriert wurden/werden – fahren immer mehr Gesellschaften ihre Aktivitäten logischerweise auch herunter.

Die meisten Junior-Gesellschaften haben hier nicht mal mehr eine Möglichkeit. Denn die gravierende Kapitallage und extrem schwierigen Finanzierungs-Aussichten zwingt sie bereits seit längerer Zeit auf Sparflamme zu arbeiten.

Anhaltende Negativ-Performance, Panik-Verkäufe und zunehmendes Desinteresse tun ihr Übriges: Die Handels-Liquidität und das Volumina bei den Small Caps ist in vielen Fällen schon seit einigen Monaten im Koma-Modus angekommen.

Nun ist es einigen Fällen seit geraumer Zeit auch der Fall, dass Junior-Gesellschaften mehr oder weniger deutlich unter Cash notieren. Das habe ich das letzte Mal im Herbst 2008 gesehen. Alleine diese Fakten unterstreichen sehr prägnant, in welcher Mega-Baisse dieser Sektor ist und wie tief er gefallen ist.

Psychologisch und historisch betrachtet ein exzellenter Kontra-Indikator – die Stimmung und Lage sind auf einem historischen Tiefpunkt angekommen. Doch vor allem Aktionäre von Junior-Goldminen können da in 2013 schon lange ein Lied singen: “Was vermeintlich günstig ist, kann noch viel günstiger werden”.

Nun scheinen auch die Regulatoren und die nordamerikanische Finanz-Industrie mehr und mehr gefordert zu sein, sich irgendetwas einfallen zu lassen – um die Situation zu verbessern.

Doch der Zug scheint schon lange abgefahren zu sein und die wichtigsten Spieler im Junior-Markt auf der Seite der Finanz-Industrie (Broker, Institutionen, Vermögensverwalter, Finanziers etc.) stehen nämlich selber mit dem Rücken zur Wand und kämpfen mehr und mehr ums finanzielle Überleben..

So gehe ich auch immer mehr davon aus, dass selbst bei einem größeren Turn-Around in der Minen- und Goldminen-Branche – der bis dato keinesfalls ersichtlich ist – ein Großteil der kanadischen Junior-Gesellschaften real auf der Strecke bleiben wird. Der nächste Bullenmarkt wird meines Erachtens wesentlich selektiver ablaufen – zumindest in den besonders gewinnbringenden Anfängen.

Werfen Sie folgend noch einen Blick auf die dramatische Entwicklung von drei repräsentativen Benchmarks im Junior-Segment der Edelmetall-Branche (Symbol GDXJ + GLDX + SILJ), welche ebenfalls einen starken negativen Einfluss auf die komplette Welt der Junior-Mining-Aktien haben.

gdxjQuelle: bigcharts.com

Bildquellen: fotolia, istockphoto
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Oliver Groß
Oliver Groß ist seit vielen Jahren im Rohstoffsektor aktiv. Er ist Mitgründer und Initiator eines exklusiven Börsenforums, das sich auf Rohstoffe und Rohstoffaktien spezialisiert hat. Oliver Groß legt bei Rohstoffaktien und Rohstofftrends großen Wert auf ausführliche Fundamentalanalysen und tiefgehenden Research. Während der letzten Jahre konnte Herr Groß sein globales Kontaktnetzwerk im Rohstoffsektor weiter ausbauen. Er pflegt intensive Kontakte zu zahlreichen Unternehmenschefs, Geologen und Rohstoffspezialisten. Oliver Groß schreibt über aktuelle Geschehnisse an den Rohstoffmärkten und macht auf spannende Rohstoffstories aufmerksam.

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