Kohlebranche: Ausblick verbessert sich, Bodenbildung möglich?

Die globale Kohlebranche hat nach 2007-08 bereits die zweite sehr harte Landung in den vergangenen Jahren erlebt. Die meisten Kohleproduzenten weltweit haben weiterhin große Probleme profitable Operationen zu gewährleisten. Nun scheint sich zumindest der Ausblick etwas aufzuhellen.

Bei der Entwicklung der Rohstoffpreise liegen die tonangebenden Analysten bekanntlich besonders gern daneben. So auch in diesem Jahr in der Kohlebranche. Anfang des Jahres war sich der Großteil der Analysten aus den führenden Finanz- und Beratungshäusern einig: „Der Kohlepreis hat seine Tiefs vorerst gesehen.“ Das sollte sich als weitere Fehlprognose herausstellen. Seit dem Jahresanfang ging es bei den Kohlepreisen wie bei vielen anderen Rohstoffen weiter abwärts, was die produzierende Kohlebranche in eine noch tiefere Krise stürzte.

Die kanadische Premiumsorte verlor seit Anfang 2013 mehr wie 15% an Wert. Die australische Benchmark-Sorte musste sogar Verluste von in der Spitze über 20% hinnehmen, nachdem die Preise bereits in 2012 drastisch gefallen waren.

Die Kohlepreise haben in den letzten Monaten ein Level erreicht, bei dem sehr viele Produzenten real kein Geld mehr verdienen. Insbesondere die nordamerikanischen Konzerne haben immense Profitabilitätsprobleme. Das bedeutet unter dem Strich, dass die Preise nach unten mittelfristig weitgehend abgesichert sind. Fällt Kohle noch weiter, werden drastische Konsequenzen in der Minenbranche erfolgen und die Angebotsseite wird signifikant unter Druck kommen, wodurch sich der Markt zwangsweise stabilisieren muss. Denn die globale Nachfrage ist und bleibt auf einem hohen Niveau.

Zudem kommt der hoffnungsvolle Fakt, dass etliche Großprojekte auf unbestimmte Zeit verschoben bzw. eingestellt wurden. Selbst die großen Spieler der Branche wie BHP Billiton oder Rio Tinto, die über massive Skaleneffekte verfügen, sehen das Kohlesegment gegenwärtig nicht mehr als wirklich attraktiv an, um signifikante Neuinvestitionen zu tätigen. Beide Konzerne haben erhebliche Margeneinbrüche im Kohlesegment hinnehmen müssen, Rio Tinto musste zuletzt sogar einen Verlust ausweisen. Und das trotz einem pausenlosen Anstieg der chinesischen Kohleimporte und -Produktion, die aggregiert nun weit über 65% des Weltmarktes ausmachen.

Es mag sich zunächst vielleicht rätselhaft anhören – aber diese Begebenheiten sind womöglich die beste Botschaft, die der Kohlesektor gerade bekommen kann. De facto können die schlechten Zahlen, das Desinteresse und das negative Sentiment als klare Kontrazeichen interpretiert werden, sodass die Bodenbildung im Hintergrund möglicherweise bereits eingeleitet wurde.

Schließlich befindet sich die zyklische Branche auch schon eine ganze Weile in einem harten Bärenmarkt, der immer noch der überzogenen Wachstumsgier vor einigen Jahren geschuldet ist. So war das Eintreten von Überkapazitäten bei schwächeren Nachfragewerten nur eine Frage der Zeit. Der temporäre Angebotsüberhang und eine Explosion der Förderkosten sorgten folgend erneut für eine harte Landung in der Kohlebranche.

Daneben gibt es positive Tendenzen, dass die Stahlproduktion in den wichtigen Entwicklungsländern wieder an Fahrt gewinnt. So hat das Reich der Mitte bspw. auch in diesem Frühsommer einen weiteren Rekord bei den Eisenerzeinfuhren vermeldet. Diese lassen darauf schließen, dass die Stahlkocher wieder auf das Gaspedal treten werden. Und was wird für die Herstellung von Stahl gebraucht? Richtig – große Mengen an Kohle. Wie wichtig der chinesische Stahlsektor für die Branche geworden ist verdeutlicht alleine der Fakt, dass China’s Anteil an der Weltstahlproduktion von unter 15% in 2000 auf knapp 50% gestiegen ist.

Spekulationsfreudige Investoren könnten sich daher so langsam einige Kohleproduzenten auf die Watchlist legen, auch wenn natürlich noch keineswegs eine Entwarnung gegeben werden kann. Der Abwärtstrend ist schließlich noch voll intakt. Wichtig ist bei der Werteauswahl, dass darauf geachtet wird, wie die Kohlegesellschaft aktuell dasteht. Die Kostensituation und die finanziellen Daten müssen deswegen genau überprüft werden, denn viele Unternehmen haben sich in den letzten 24 Monaten extrem verschuldet und ihre Operationen laufen alles andere als solide, geschweige denn profitabel.

Weiter sollte geprüft werden, welche Investitionen für das Erreichen der Wachstumsziele anstehen. Sehr hohe Kapitalaufwendungen werden viele Unternehmen schlichtweg nicht mehr finanziert bekommen bzw. müssen erhebliche negative Konsequenzen in Kauf nehmen, deren ökonomischer Sinn komplett infrage gestellt werden kann. Wachstum darf einfach generell nicht (nie!) mehr auf Kosten der Profitabilität und des Shareholder Values gehen.

Zu den relativ gut aufgestellten und wettbewerbsstarken Kohleproduzenten gehören heute noch bspw. Alliance Resource Partners (WKN 925301), Natural Resource Partners (WKN 633618) und Energy Earth PLC (WKN A1H5QS).

Bildquellen: fotolia, istockphoto
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Oliver Groß
Oliver Groß ist seit vielen Jahren im Rohstoffsektor aktiv. Er ist Mitgründer und Initiator eines exklusiven Börsenforums, das sich auf Rohstoffe und Rohstoffaktien spezialisiert hat. Oliver Groß legt bei Rohstoffaktien und Rohstofftrends großen Wert auf ausführliche Fundamentalanalysen und tiefgehenden Research. Während der letzten Jahre konnte Herr Groß sein globales Kontaktnetzwerk im Rohstoffsektor weiter ausbauen. Er pflegt intensive Kontakte zu zahlreichen Unternehmenschefs, Geologen und Rohstoffspezialisten. Oliver Groß schreibt über aktuelle Geschehnisse an den Rohstoffmärkten und macht auf spannende Rohstoffstories aufmerksam.

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