Kohlesektor – Amerikanische und asiatische Exporteure profitieren von Turbulenzen

Aus der Perspektive der Produzenten befindet sich die Kohlebranche weiterhin in einem schwierigen Fahrwasser.

Nicht nur Erdöl, sondern auch Kohle kann zu Recht als schwarzes Gold bezeichnet werden. Für viele Industrie- und Schwellenländer nimmt Kohle weiterhin die Rolle eines elementaren Energieträgers ein, der auf längerfristige Sicht bis dahin nur marginal kompensiert werden kann.

Allen voran wird Chinas Wachstumsmotor mit dem begehrten Fossilbrennstoff zunehmend befeuert. Der Anstieg des weltweiten Kohleverbrauchs während der letzten 10 Jahre resultiert unter dem Strich fast alleine durch den unaufhaltsamen Energiehunger der chinesischen Wirtschaft. Das Land spricht sich zwar seit vielen Jahren für einen ausgewogeneren Energiemix aus und investiert jährlich Milliardenbeträge in den Ausbau der Regenerativen Energien, jedoch führt vorerst kein Weg an der Kohle vorbei. Weshalb das so ist? Das Reich der Mitte handelt hinsichtlich der bezahlbaren und der von dem Umfang benötigen Energiequellen nahezu alternativlos.

China ist mit Abstand der weltgrößte Kohleproduzent und dennoch müssen die Kohleimporte weiter kräftig erhöht werden, um die Wachstumsambitionen auch komplett sicherstellen zu können. Im vergangenen Jahr sind die Importe um 58% auf 289 Millionen Tonnen angestiegen. In wenigen Jahren sollen sie bereits die Marke von 500 Millionen Tonnen überschreiten. Dabei werden die Einfuhren aus anderen asiatischen Förderländern wie z.B. Indonesien, Vietnam und Thailand für die Importstaaten immer wichtiger. Sie stellen nicht nur aufgrund der Lokalisierung und den damit verbundenen Vorteilen bezüglich der Logistik und den Transportrouten zunehmend eine gute Wahl dar, sondern werden auch im Hinblick auf klimatische und geopolitische Risiken attraktiver.

So scheinen in einigen großen Fördernationen zunehmend Turbulenzen aufzutreten. In Kolumbien, dem größten Kohleproduzenten in Südamerika, kommt es seit einigen Monaten vermehrt zu Aufständen und Streikserien, welche die einheimischen und ausländischen Kohleförderer belasten. Letztens wurde sogar die größte Kohlemine von terroristischen Attacken heimgesucht. Betroffen sind u.a. die Bergbauriesen BHP Billiton Ltd. (WKN 850524), Xstrata Plc (WKN 552834) und Anglo American (WKN A0MUKL), die mittels des JV-Unternehmens Cerrejon im rohstoffreichen Südamerikastaat in einem Konsortium agieren.

Im afrikanischen Mosambik stießen internationale Minenunternehmen in den letzten Jahren auf mehrere enorme Kohlefunde. In der Provinz Tete, die an der Grenze zu Malawi liegt, werden sogar die größten Kohlevorkommen weltweit vermutet. Zahlreiche Milliardeninvestitionen werden gegenwärtig angeschoben oder sind in Planung. Zu den aktiven Unternehmen gehören u.a. Rio Tinto (WKN 852147), Vale (WKN 897136) und Beacon Hill Resources (WKN A1CUVW).  Das afrikanische Entwicklungsland wird nach Einschätzung vieler Experten in den nächsten Jahrzehnten eine erhebliche Rolle im Kohlesegment spielen.

Doch die Risiken in diesem relativ modernen Minenstandort sollten nicht außen vor gelassen werden. Die geopolitische Stabilität und die Minengesetze stehen wie in jedem Schwellenland auf wackligen Beinen. Insbesondere wenn die Umbrüche an Fahrt gewinnen. Anfang der 90er Jahre galt Mosambik bsp. noch als ärmstes Land der Welt und es wütete der Bürgerkrieg. Dazu kommen unberechenbare Klimarisiken wie Dürren, Überschwemmungen und tropische Zyklone. Erst im letzten Monat musste das Land die schwersten Überflutungen seit vielen Jahren verkraften.

Die Probleme in den Exportnationen wie Kolumbien und Mosambik sind gewöhnlich positive News für die westlichen und fernöstlichen Kohleproduzenten. In den USA stehen die Förderer wie Peabody Energy (WKN 675266), Arch Coal (WKN 908011), Cloud Peak Energy (WKN A0YERN) und bsp. Alpha Natural Resources (WKN A0D8FJ) seit einiger Zeit wegen des rapiden Preisverfalls im Kohlepreis, den Kostenexplosionen und einer schwächelnden, inländischen Nachfrage, die aufgrund des anhaltenden Gasbooms resultiert, besonders unter Druck. Demnach sind die jüngsten News, die den Ausblick und die Perspektiven für die aktiven Produzenten früher oder später positiv beeinflussen werden, gerade sehr willkommen.

In Asien werden die Kohleunternehmen- und Exporteure mittel- und langfristig ebenfalls kräftig profitieren. Nicht nur die Nachfrage aus China, Indien und Japan wird schließlich hoch bleiben. So blickt auch der thailändische Kohleriese Banpu Plc. (WKN 882131) nach zwei schwierigen Jahren wieder optimistischer nach vorne und stellt in 2013 weiteres Wachstum und höhere Profite in Aussicht.

Doch nicht nur die Big Player werden von einem Anstieg der globalen Kohlenachfrage profitieren. Zahlreiche interessante und gut aufgestellte Unternehmen sind auch bei den Small- und MidCaps zu finden. Hier ist das Risiko aufgrund der Unternehmensgröße auch nicht unbedingt höher, jedoch meistens der Hebel auf den Kohlepreis. Aufgrund der niedrigeren Bewertung ergeben sich natürlich auch entsprechend höhere Wachstums- und Kurspotentiale.

Eine glänzende operative Entwicklung kann bsp. der thailändische Kohleproduzent- und Händler Energy Earth Plc. (WKN A1H5QS) gegenwärtig vorweisen. Gestern verkündete die wachstumsstarke Gesellschaft sehenswerte Finanzergebnisse für das vergangene Geschäftsjahr. Die Umsatzerlöse legten aufgrund erfolgreicher Expansionen in China und Indien um 122% auf 10,4 Mrd. Baht (umgerechnet ca. 267 Mio. EUR) zu. Die Bruttomarge konnte wegen den Umsatzanstiegen und einem effizienten Kostenmanagement um 170% erhöht werden. Noch beeindruckender ist der Anstieg des Nettogewinns um ca. 224% auf 1,3 Mrd. Bath (ca. 33 Mio. EUR).

Energy Earth ist aufgrund des diversifizierten Geschäftsmodels als etablierter Händler und aufstrebender Produzent ausgesprochen solide aufgestellt. Die Unternehmensaktien gehörten im letzten Jahr zu den stärksten Werten im gesamten Kohle- und Energiesektor und konnten der Krise erfolgreich trotzen. Die Chancen auf eine anhaltende Outperformance stehen gut.

Bildquellen: fotolia, istockphoto
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Oliver Groß
Oliver Groß ist seit vielen Jahren im Rohstoffsektor aktiv. Er ist Mitgründer und Initiator eines exklusiven Börsenforums, das sich auf Rohstoffe und Rohstoffaktien spezialisiert hat. Oliver Groß legt bei Rohstoffaktien und Rohstofftrends großen Wert auf ausführliche Fundamentalanalysen und tiefgehenden Research. Während der letzten Jahre konnte Herr Groß sein globales Kontaktnetzwerk im Rohstoffsektor weiter ausbauen. Er pflegt intensive Kontakte zu zahlreichen Unternehmenschefs, Geologen und Rohstoffspezialisten. Oliver Groß schreibt über aktuelle Geschehnisse an den Rohstoffmärkten und macht auf spannende Rohstoffstories aufmerksam.

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