Was bewegt eigentlich den Goldpreis? Teil 2: Woher kommt die Goldnachfrage?

Während Gold von vielen vor allem als Spekulationsobjekt gesehen wird, hat das Metall tatsächlich auch eine große wirtschaftliche Bedeutung. Das gilt vor allem für eine Branche, die erheblich vom Verlauf der Konjunktur abhängig ist: Die Schmuckindustrie.

In den Werkstätten der Schmuckhersteller wird der größte Teil des weltweit aus der Bergwerksproduktion geförderten und des recycelten Goldes genutzt. Im Zusammenhang mit der Schmuckbranche muss ein Detail betont werden: Ein Verbrauch von Gold findet nicht statt. Durch die Weiterverarbeitung zu Goldschmuck verschwindet der Rohstoff nicht für immer vom Markt. Zumindest theoretisch könnte das so weiterverarbeite Edelmetall jederzeit wieder auf den Markt gelangen. Die Mengen sind alles andere als unerheblich, Schätzungen gehen davon aus, dass rund die Hälfte des geförderten Gold zu Schmuck weiterverarbeitet wurde.

Es scheint andererseits unwahrscheinlich, dass aus der „Quelle Schmuck“ in kurzer Zeit preisbeeinflussende Mengen den Markt überschwemmen. Das gilt auch für Gold, das in der Industrie oder zu medizinischen Zwecken, hier insbesondere in der Zahnmedizin, genutzt wird. Im industriellen Bereich findet Gold in erster Linie bei elektronischen Anwendungen, zum Beispiel bei der Herstellung von elektronischen Bauteilen und Kontakten, sowie in der Optik Verwendung. Neue wirtschaftliche Einsatzbereiche des Goldes im Bereich der Nanotechnologie werden erforscht. Unklar ist derzeit aber, wie sich dies auf die zukünftige Nachfrage nach dem Edelmetall aus der Industrie auswirken wird.

Ein wesentlicher Faktor bei der Entwicklung der Goldnachfrage wird weiterhin der Investmentsektor sein. Obwohl es 2012 im Vergleich zu 2011 zu einem deutlichen Rückgang der Nachfrage nach Goldmünzen und Goldbarren kam, ist dieser Bedarf weiterhin enorm groß und in den Jahren vor 2012 deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden laut Daten des World Gold Councils knapp 1.247 Tonnen Gold als Barren oder Münzen nachgefragt – das ist mehr als das Vierfache dessen, was 2012 in der Elektronikindustrie an Goldnachfrage entstand. Rechnet man noch die Nachfrage von Exchange Traded Funds und ähnlichen Anlagemöglichkeiten hinzu, kommt man auf knapp 1.526 Tonnen Nachfrage aus der Finanzwelt. Das ist nicht allzu viel weniger, als die Schmuckbranche mit 1.895 Tonnen im Jahr 2012 verbraucht hat.

Die Zahlen untermauern eindrucksvoll, welche Bedeutung Anleger und Sammler bei der Nachfrage nach physischem Gold haben. Doch das Engagement der Finanzwelt geht weit darüber hinaus, was an den zahlreichen Spekulationsmöglichkeiten auf den Goldpreis an den weltweiten Terminbörsen liegt.

Experten erwarten, dass die Nachfrage nach physischem Gold einen langfristigen Aufwärtstrend aufweisen wird. Zum einen haben viele Notenbanken die Seite gewechselt und kaufen verstärkt Gold. Zum anderen ist es vor allem die Nachfrage aus Asien, die stark steigen soll. Während in Indien Gold seit langem traditionelles Geschenk zum Beispiel zu Hochzeiten ist, wächst in China eine neue kaufkräftige Gruppe heran, die ihr Geld mehr und mehr auch in Gold investieren wird – sei es als Schmuck, sei es in Form von Barren oder Münzen.

Bildquellen: fotolia, istockphoto
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Stefan Bender
Stefan Bender beschäftigt sich seit 1999 mit der Börse und dem Trading und ist seit April 2005 Mitglied der Community von wallstreet:online. Täglich beobachtet er Minengesellschaften, Explorer und angehende Produzenten. Seit 2011 ist er als Chefredakteur für Miningscout aktiv. Der Börseninformationsdienst Miningscout hat sich auf Berichte aus dem Rohstoffsektor spezialisiert. Unter www.miningscout.de werden fundierte Informationen zu Rohstoffen, Minenunternehmen und Branchentrends bereitgestellt. Als Informationsportal für internationale Minengesellschaften bietet Miningscout zudem eine professionelle Plattform, um Rohstoffunternehmen mit allen wichtigen Investitionsaspekten zu präsentieren.

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