Was bewegt eigentlich den Goldpreis? Teil 5: Die Flucht der Großinvestoren aus Fonds

Die Geschichte des jüngsten Goldpreisrutsches ist auch eine Geschichte einer Flucht institutioneller Investoren aus dem Gold – genauer, aus den Exchange Traded Funds, die sich mit Gold beschäftigen.

Diese Funds, kurz ETF, sind börsengehandelte Investmentfonds, die meist passiv verwaltet werden und dabei Vergleichsindizes nachbilden. Eine ganze Reihe solcher ETFs existieren, die sich mit Goldinvestments beschäftigen. Einige halten physisches Gold, also vor allem Barren, viele nutzen den Terminmarkt und Instrumente wie Futures, um den Goldpreisverlauf nachzubilden.

Der ETF-Sektor war lange Zeit für Großanleger eine wichtige Möglichkeit, sich im Gold zu engagieren. Das galt auch für die Zeit, als die Feinunze längst ihr im September 2011 erreichtes Allzeithoch verlassen hatte und die Kurse ins Rutschen gerieten. Noch Ende 2012 waren die Goldbestände der ETFs auf Rekordniveau – im Dezember 2012 pendelten die Preise je Unze Gold noch zwischen 1.635 Dollar und 1.723 Dollar mit abwärts gerichteter Grundtendenz.

Doch in den vergangenen Monaten hat geradezu eine Flucht aus den Gold-ETFs stattgefunden. Von den Rekordständen im Dezember sind die aktuellen Bestände weit, weit entfernt. Das zeigen die Statistiken des World Gold Council. 2012 hatten die ETFs noch für eine Nachfrage von 279 Tonnen Gold gesorgt, verteilt zwar über das gesamte Jahr, aber mit einem deutlichen Schwerpunkt in der zweiten Jahreshälfte. Dann kam die Wende. Allein im ersten Quartal 2013 warfen ETFs fast 177 Tonnen Gold auf den Markt. Um die Dimension der Verkäufe deutlich zu machen, hilft ein Vergleich mit der Produktion aus Goldminen. Die Verkäufe haben ein Volumen der Jahresgoldproduktion von Südafrika, weltweit immerhin die fünftgrößte Fördernation des Edelmetalls.

Weder die Wirtschaft, noch die Münzen- und Barrensparte konnte diese Verkaufswelle ausgleichen. So ist es kein Wunder, dass der Goldpreis im Laufe der ersten Monate des Jahres deutlich unter Druck gekommen ist. Im ersten Quartal fiel die Feinunze von 1.697 Dollar auf bis zu 1.555 Dollar, erreicht am 21. Februar. Anschließend konnte sich der Preis erholen, nur um im April erneut und diesmal sehr dynamisch geradezu in die Tiefe zu stürzen. Aus der Zone um 1.590/1.600 Dollar ging es bis auf knapp 1.322 Dollar nach unten, das wohlgemerkt binnen weniger Handelstage. Eine solch dramatische Entwicklung hatte die Feinunze lange nicht mehr gesehen. Begleitet wurde der Absturz von massiven Abflüssen im Gold-ETF-Sektor – hier nährte der Absturz den Absturz, Panik griff um sich. Mittlerweile stehen sowohl der Goldpreis als auch die Goldbestände der ETFs im Bereich von Zweijahrestiefs.

Die Lehren aus den Ereignissen: Gerade zuletzt haben ETF-Goldbestände und Goldpreisentwicklung eine große Korrelation gezeigt. Nicht umsonst gelten die Bestände der börsengehandelten Goldfonds als Stimmungsbarometer dafür, wie institutionelle Anleger den Goldpreis einschätzen. Nach der Flucht aus dem Gold in den ersten Monaten des Jahres bleibt abzuwarten, ob sich die Lage nun stabilisieren kann. Der Blick auf die Bestandsstatistik der Gold-ETFs sollte jedenfalls zum Pflichtprogramm für Goldanleger gehören.

Bildquellen: fotolia, istockphoto
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Stefan Bender
Stefan Bender beschäftigt sich seit 1999 mit der Börse und dem Trading und ist seit April 2005 Mitglied der Community von wallstreet:online. Täglich beobachtet er Minengesellschaften, Explorer und angehende Produzenten. Seit 2011 ist er als Chefredakteur für Miningscout aktiv. Der Börseninformationsdienst Miningscout hat sich auf Berichte aus dem Rohstoffsektor spezialisiert. Unter www.miningscout.de werden fundierte Informationen zu Rohstoffen, Minenunternehmen und Branchentrends bereitgestellt. Als Informationsportal für internationale Minengesellschaften bietet Miningscout zudem eine professionelle Plattform, um Rohstoffunternehmen mit allen wichtigen Investitionsaspekten zu präsentieren.

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