Zypern, Eurokrise und die Folgen

Was für eine Aufregung! Die Pläne, die Finanzkrise in Zypern mit einer Sonderabgabe auf Bankguthaben bei Kreditinstituten des Steuerparadieses zu finanzieren, hat reichlich Wellen geschlagen.

Die Bewohner des Landes (und zahlreiche ausländische Großanleger, die ihr Geld im Offshore-Steuerparadies geparkt haben) sind stinksauer auf die Regierung Zyperns. Die wollte zunächst auch Kleinsparer mit ihren Guthaben haften lassen – und das, obwohl in Zypern eigentlich Guthaben bis 0,1 Millionen Euro garantiert sind.

Aufgrund des breiten Protestes und dem Ansturm auf die Geldautomaten ist der neue Vorschlag, der rund 6 Milliarden Euro in die Staatskasse bringen soll, abgemildert worden. Nun sollen Guthaben bis 20.000 Euro frei von Belastungen bleiben, größere Vermögen werden dagegen höher belastet als zunächst geplant. Dass das Parlament des Mittelmeerstaates den Vorschlag der Regierung annimmt, gilt zumindest als fraglich.

Was hat das alles mit Rohstoffen zu tun? Vieles, denn über Nacht ist ein Gespenst in Europa wieder aufgetaucht. Die Vertrauenskrise. Galt die Euro-Krise am Markt als abgehakt, muss sie mit den Ereignissen um Zypern wieder als reanimiert gelten. Vielleicht ist sogar noch etwas viel schlimmeres passiert, denn die Entscheidung über die Bankguthaben könnte das Vertrauen in den europäischen Bankensektor untergraben. Was sind Guthabengarantien eigentlich wert, wenn quasi “über Nacht” Teile des eigentlich gesicherten Vermögens per Sondersteuer in den Staatssäckel wandern?

Landauf, landab wird scharf kritisiert, was da zur Behebung der Zypern-Krise geplant ist, bis hin zum “Diebstahl” werden die Maßnahmen bezeichnet. Und es ist kein Wunder, dass der Goldpreis mit Aufschlägen auf die Ereignisse in Zypern reagiert hat. “Wer sonst, wenn nicht die klassische Krisenversicherung Gold?”, möchte man fragen. Es ist das Metall, das im Zuge der Folgen der US-Kreditmarktkrise eine Atem beraubende Hausse erlebt hat, die seit dem Top bei 1.921 Dollar im Jahr 2011 konsolidiert wird. Und in den Jahren 2008 bis 2011 war die Befürchtung nicht, dass Bankguthaben vom Staat konfisziert werden. Diese Unsicherheit kommt nun neu hinzu – und das ausgerechnet mitten in Europa.

Der Goldpreis, der zurzeit um die 1.600-Dollar-Marke pendelt, könnte sich daher als einer der Gewinner dieser Entwicklung präsentieren – völlig unabhängig davon, ob das zypriotische Parlament nun zustimmt oder nicht. Politiker haben gezeigt, wozu sie fähig sind. Das könnte neue Milliarden in den Goldsektor fließen lassen, vor allem in physisches Gold, und neue Nachfrage erzeugen.

Der Blick auf den Kursverlauf des Goldes zeigt übrigens, dass es nicht viel braucht, um nach den jüngsten Kursabgaben eine Trendwende zu vollziehen. Seit Ende 2011 hat die Feinunze des Edelmetalls immer wieder oberhalb von 1.522 Dollar einen Boden gefunden – so auch diesmal. Bereits ein Anstieg über 1.620 Dollar könnte nun bereits reichlich kurzfristig orientierte Anleger in den Markt locken. Es ist nur rund ein Prozent Kursgewinn, der den Goldpreis von einer möglichen Neubewertung trennt.

Bildquellen: fotolia, istockphoto
Bitte beachten Sie unsere Nutzungshinweise

Stefan Bender
Stefan Bender beschäftigt sich seit 1999 mit der Börse und dem Trading und ist seit April 2005 Mitglied der Community von wallstreet:online. Täglich beobachtet er Minengesellschaften, Explorer und angehende Produzenten. Seit 2011 ist er als Chefredakteur für Miningscout aktiv. Der Börseninformationsdienst Miningscout hat sich auf Berichte aus dem Rohstoffsektor spezialisiert. Unter www.miningscout.de werden fundierte Informationen zu Rohstoffen, Minenunternehmen und Branchentrends bereitgestellt. Als Informationsportal für internationale Minengesellschaften bietet Miningscout zudem eine professionelle Plattform, um Rohstoffunternehmen mit allen wichtigen Investitionsaspekten zu präsentieren.

Advertisement